Am 03.03.2018 führten wir unsere Gegendemonstration unter dem Motto „Wie wär’s mit Solidarität? – Der rechte Mob tobt – Alle schauen weg“ durch. Anlass dazu war eine rechte Demonstration gegen eine geplante dezentrale Unterbringung von geflüchteten Menschen im Merseburger Norden. Im Vorfeld wurden vom Bündnis bestehend aus Neo-Nazis und Wutbürger*innen Flyer in der Nachbarschaft verteilt sowie manipulative Hetzbeiträge via Social Media verbreitet, wobei von einem „Genozid an Rentnern“ und einer „Umvolkung“ fabuliert wurde. Mobil machte eine neugegründete Ansammlung rechter Wutbürger*innen namens „Bürgerinitiative Brennpunkt Merseburg – BBM“, Vize-Landtagspräsident der AfD Willi Mittelstädt, inklusive Anhang, sowie der rechte Provokateur und ehemalige Aktivist des rechtsradikalen Netzwerkes „Blood and Honour“ Sven Liebich.
Kurz nach 14 Uhr machte sich unsere Demonstration, bestehend aus circa 70 Teilnehmer*innen, auf den Weg. Ein Fronttransparent mit der Aufschrift „break the isolation – refugees welcome“, verdeutlichte unser Anliegen, geflüchtete Personen als Menschen zu akzeptieren, einer Isolation entgegenzuwirken und solidarisch miteinander zu arbeiten. Unsere Demonstrationsroute führte durch den Merseburger Norden, weiterhin in die Nähe der rechten Ansammlung.
Unterwegs durch das Viertel wurden aus unserer Demonstration heraus Flyer an Passant*innen verteilt, ein Redebeitrag verlesen, welcher sich für ein Miteinander sowie gegen rechte Anstachelungsversuche einsetzte und über die Zumutungen für Asylbewerber*innen in Deutschland informierte, zudem wurden thematisch passende Sprechchöre von Demoteilnehmer*innen gerufen, all dies verlieh unserer Demonstration Gehör.
Unterwegs kam es vereinzelt zu Provokationen von Neo-Nazis, außerdem zu einem Hitlergruß am Rande der Demonstration. Als ein Antifaschist diesen zur Anzeige bringen wollte, kommentierte dies ein Polizist mit „heul leise“, zur Anzeige gebracht wurde dieser natürlich trotzdem.
Für eine kurze Mobilisierungsphase ist eine Teilnehmer*innenzahl von circa 70 Personen als positiv zu werten, kritisch zu erwähnen ist das Ausbleiben von einer größeren Beteiligung der Merseburger Zivilgesellschaft.
Auf Seiten der Neo-Nazis und Wutbürger*innen waren in etwa 270 Teilnehmer*innen zu verzeichnen. Zwei Stunden lang ließ sich der rechte Haufen mit Verschwörungstheorien, rassistischer Ideologie und Halbwahrheiten berieseln, dabei wurden Journalisten von Seiten der Ordner*innen des rechten Auflaufes bedrängt. Weiterhin waren Teilnehmer*innen mit rechtsradikaler Symbolik anzutreffen, unter ihnen ein vollvermummter Neo-Nazi aus der Nachbarstadt Leuna, mit sichtbarer SS-Symbolik in Form einer tätowierten „Schwarzen Sonne“.
Es bleibt eine gefährliche Situation im Merseburger Norden. Der rechte Mob kündigte bereits an, solcherlei Aktionen mindestens einmal im Monat zu wiederholen, es läuft also mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein Szenario wie in Merseburg-West hinaus, wo ein rechter Mob über Monate hinweg auf der Straße und im Internet gegen die im Viertel untergebrachten geflüchteten Menschen hetzte und zu Übergriffen anstachelte. Das bedeutet für alle fortschrittlich orientierten Kräfte in und um Merseburg herum, eine gemeinsame Aktionsform gegen diese Aufmärsche zu organisieren, unsere erfolgreiche Gegendemonstration war dazu der Startschuss, wir laden genau diese Kräfte zu einem Bündnis mit unserer Gruppe „antifa06“ gegen diese Umtriebe ein, dieser rassistischen Mobilisierung ist nur gemeinsam entgegenzutreten!
Gegen rechte Brandstifter*innen und rassistische Ideologie!
Bilder der Demonstrationen
MZ-Artikel zum 03.03.2018 in Merseburg
weiterer MZ-Artikel zum 03.03.2018 in Merseburg
Demonstrationsbericht des Transit Magazins